Domicil Jazz Club, Dortmund

Domicil Jazz Club

2004-2006, Dortmund, Umbau des Hansatheaters

Architekten: Heiderich Hummert Klein

Projektleitung Planung: Martin Heiderich

Projektleitung Bau: Jörn Frederik Klein

Mitarbeiterin: Silke Tinnefeld

ARGE-Partner Architektur: Andreas Hanke, Dortmund

Tragwerksplanung: Niemer, Rheine

Gebäudetechnik: Gerhard Riedel, Holzwickede

Elektrotechnik: Ingenieurbüro Möller, Vlotho

Akustik: Koch, Iserlohn

Brandschutz: H-plan, Bergheim

Gastronomieplanung: Rüger & Wisk, Geseke

Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen und das Kulturbüro der Stadt Dortmund

Das umzubauende Bestandsgebäude befindet sich in der zentralen Dortmunder Innenstadt, in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Das Büro- und Geschäftshaus wurde nach der Kriegszerstörung zu Beginn der 50er Jahre wieder aufgebaut und lange als UFA-Kino betrieben.

Nach einer kurzen Nutzung als privates Theater in den im Originalzustand belassenen Kinoräumen fanden später erste Konzertveranstaltungen statt.

Der Jazzclub "domicil", gegründet im Jahr 1969, besteht als eingetragener Verein aus ca. 160 ehrenamtlichen Mitgliedern, von denen ca. 100 aktiv an der Durchführung des Veranstaltungsbetriebs beteiligt sind.

Die alten Clubräume in der Dortmunder Nordstadt in den Kellerräumen einer Kindertagesstätte hatten sich über die Jahre zu einer regelrechten Kultstätte der nationalen und internationalen Jazzszene entwickelt, in der zahllose spektakuläre Konzerte mitgeschnitten und im Rundfunk übertragen wurden.

Obwohl gerade die räumlich Enge die besondere Atmosphäre der "domicil"-Konzerte ausmachte, gab es regelmäßig den Bedarf, Veranstaltungen auch in größerem Rahmen durchführen zu können. So wurde der Umzug in das ehemalige Kino an der Hansastraße beschlossen.

Nach einem außergewöhnlich komplizierten Umbau mit beträchtlichem Eigenleistungsanteil der Vereinsmitglieder wurde das neue "domicil" im Oktober 2005 feierlich eröffnet. Die neue Spielstätte bietet mit einem Konzertsaal, einem Club, Gastronomie, Seminar- und Büroräumen ideale Voraussetz-ungen für unterschiedlichste Konzerte, aber auch für Vorträge, Lesungen und Seminarveranstaltungen.

Herzstück des neuen "domicil" ist ein Clubraum für ca. 100 Personen, in dem weiterhin kleine, intime Konzerte stattfinden können.

Dieser entspricht in seiner Größe etwa dem Nordstadt-"domicil", so dass die liebgewonnene Clubatmosphäre und der hautnahe Kontakt zu den Musikern auch in die neue Spielstätte übertragen werden können. Bei publikumsreicheren Veranstaltungen dient der Club als Foyer für den großen Konzertsaal, der Platz für bis zu 500 Personen bietet.

Ein Teil des 6 m hohen Kinosaals wurde abgetrennt, eine Galerie wurde eingezogen, um dem Konzertsaal die gewünschte Größe und Proportion zu geben.

Im ehemaligen Kinofoyer im Erdgeschoss wurde eine Caffee-Lounge eingerichtet, die nicht nur für Publikum vor und nach Konzertveranstaltungen, sondern zu spielfreien Zeiten auch für jedermann geöffnet ist.

Das Erscheinungsbild des neuen "domicil" wird geprägt durch das Zusammenspiel der vorhandenen Bausubstanz aus den 50er Jahren mit den im Rahmen des Umbaus neu hinzugefügten Elementen. Die Farben und Materialien nehmen Bezug auf die Entstehungszeit des Hansakinos; neue Elemente setzen sich formal eindeutig ab.

Die Möblierung, die in weiten Teilen eigens für das neue "domicil" entworfen und angefertigt wurde, ist geprägt von einfacher und klarer Gestaltung und wurde gegenüber dem Bestand bewusst zurückgenommen.

Kennzeichnend für die Veranstaltungsräume in den Obergeschossen ist die intensive, monochrome Farbigkeit der Wand- und Deckenflächen, die je nach Nutzung des Raums variiert.

Die Wände im Erdgeschoss und im Treppenraum sind in gebrochenem weiß gestrichen und bieten Projektionsfläche für stimmungsvolle Beleuchtung: Farblich steuerbares indirektes Licht wird mit einzelnen, punktuell gerichteten Leuchten kombiniert. So kann die Atmosphäre der Tageszeit und dem Anlass entsprechend verändert werden und bietet damit für jede Veranstaltung die geeignete Kulisse.

Durch die frühzeitige Integration der Fachplaner konnte die erforderliche, sichtbare Technik auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Die Lüftung erfolgt dezentral für Saal, Club und Gastronomie. Zuluft und Abluft sind weitgehend unsichtbar in die Möblierung oder in Wand- bzw. Deckenkonstruktionen integriert. Die Umbaumaßnahmen für die Veranstaltungsräume, Saal und Club, erforderten teilweise massive Eingriffe in den Bestand. So wurde der ehemalige Kinosaal vollständig auf den Rohbau zurückgeführt, Deckenfelder und Wände wurden hinzugefügt.

Um dem erforderlichen Brand- und Schallschutz zu genügen, wurde die bestehende Decke durch eine zusätzliche Trockenbaukonstruktion ergänzt. Ein System von Traversen, zwischen den Stahlbetonbindern des vorhandenen Tragwerks montiert, ermöglicht eine flexible Installation von Bühnenlicht und Bühnentechnik, genau berechnete Wand- und Decken-bekleidungen sichern eine optimale Akustik.

Die Veranstaltungsstätten erhielten einen neuen Fussbodenaufbau aus durchgefärbtem Estrich, der auf einer Schüttung aus Schaumglasschotter verlegt wurde. Saal und Club werden durch unterschiedliche Fußbodennniveaus, die durch Einbaumöbel, Treppen und Rampen miteinander verbunden sind, räumlich gegliedert.

Die Bühnen bestehen, sowohl im Saal als auch im Club, aus mobilen Elementen und sind beliebig erweiterbar. Die Bestuhlung ist variabel und kann bei Bedarf vollständig entfernt werden, so dass beide Spielstätten für verschiedenste Veranstaltungen genutzt werden können.

Der im gesamten Eingangsbereich vorhandene Werksteinboden wurde erhalten, ebenso wie die goldgerahmten Vitrinen und Teile der schwarzen Glasverkleidungen des ehemaligen Kinofoyers.

Der großzügige Treppenraum, der das Erdgeschoss mit den darüber liegenden Veranstaltungsräumen verbindet, wurde in seinem Originalzustand wieder hergestellt und bietet einen würdigen Auftakt für den anstehenden Konzertbesuch.

Das besonders schöne Kassenhäuschen des alten Kinos konnte erhalten werden und thront heute als Blickfang auf dem oberen Treppenpodest.

Im Straßenraum präsentiert sich das neue "domicil" mit einer goldfarbenen, sechsflügligen Portalanlage. Darüber prangt ein ca. 180 qm großes Fassadentransparent, das sich tagsüber als Natursteinverkleidung tarnt, um sich zur Nacht durch vollflächige Hinterleuchtung in ein strahlendes, weithin sichtbares Kunstwerk zu verwandeln.

 

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