Wettbewerb ZOB Esslingen

Wettbewerb ZOB Esslingen

2010

Als gesetzter Telnehmer

Architekt:
Heiderich Architekten

Ausloberin:
Stadt Esslingen

Mitarbeiter
Heike Höwer
Dominik Kraatz
Sophia Nolte
Natalie Stricker

Tragwerkplanung:
Bollinger & Grohmann
Frankfurt a.M.

Nach dem 2. Rundgang
ausgeschieden

Die Städtebauliche Situation erfährt eine Ordnung und Ausrichtung durch die klare orthogonale Form der Überdachung. Der Bahnhofsplatz erhält durch das Dach und wenige Möblierungselemente die notwendige Fassung und Abgrenzung von den Straßenverkehrsflächen.

Die verkehrstechnischen Vorgaben ermöglichen kein regelmäßiges Stützenraster, geschweige denn gleichmäßige Stützweiten. Trotzdem sollten sich diese Bedingungen nicht auf die städtebauliche Erscheinung der Überdachung auswirken. Idee ist, eine sehr einfache und geradlinige Dachform, die die heterogenen Einflüsse der Umgebung zu ordnen vermag.

Funktional bietet sich ein gestrecktes Rechteck an, dass für den Großteil der Bushalteplätze wettergeschützten Ein- und Ausstieg gewährleistet. Dieses Rechteck verschmilzt mit dem Bahnhofsgebäude, indem es ihn in Höhe des umlaufenden Gesimses über dem Erdgeschoss zu durchdringen scheint. Zusammen mit der neuen Überdachung wird der alte Bahnhof nun wieder zu einem Gebäude für den zeitgemäßen Nahverkehr.

Die Dachkonstruktion ist ein räumlicher Gitterträger aus Rechteckhohlprofilen. In den Hauptpositionen messen die Profile der Ober- und Untergurte 120 x 120 mm, die Wandstärken der Rohre folgen den unterschiedlichen Lasten. Senkrechte Streben im Tragwerk haben die gleichen Dimensionen. Aussteifende Diagonalen werden ausschließlich als Zugstäbe ausgebildet, mit Flachstählen 120 x 15 mm konstruiert und nur dort eingesetzt, wo die Belastungen über die Tragfähigkeit von biegesteifen Rahmen ohne Diagonalen hinaus geht.

Die Dachoberfläche wird zum größten Teil mit 16 mm starkem Verbundsicherheitsglas aus teilvorgespannten Sicherheitsgläsern gedeckt. In Teilbereichen sind bedruckte oder mit Folie mattierte Gläser denkbar. Die Dachuntersicht erhält eine vollflächige Unterspannung mit Edelstahlgewebe mit einer Maschenweite von ca. 10 x 30 mm. Dies bewirkt zum Einen einen guten Schallschutz unter dem Dach, zum Anderen wird der Aufenthalt von Vögeln im Dachtragwerk verhindert. Zudem wird die formale Wirkung des Gesamtdaches als flache, linsenförmig gewölbtes Rechteck betont.

Der Dachrand wird durch ein Kastenprofil ausgebildet, dass mit gekanteten Alucobondblechen verkleidet wird. In diesem Profil verläuft die Entwässerungsrinne und die Elektroinstallationstrasse. Die Entwässerung wir vom Randträger aus über die Untergurte des Fachwerks zu den Stützen geführt und dort ins die unterirdische Kanalisation geleitet. Zum Korrosionsschutz erhalten die Stahlhohlprofile eine innenseitige Beschichtung durch einen sogenannten Inliner, wie er sonst in der Kanalsanierung eingesetzt wird.

Die Elektroinstallation wird vom Dachrand aus über Leerrohre zu den Versorgungspunkten der Beleuchtung geführt. Dies ermöglicht eine einfache Wartung und eventuelle Reparatur.

Die Beleuchtung der Überdachung teilt sich in die Verkehrsbeleuchtung und eine zusätzliche Effektbeleuchtung. Zur Verkehrsbeleuchtung werden handelsübliche Leuchtenköpfe verwendet, die mit eigens konstruierten Haltern an der Dachkonstruktion abgehängt werden und flächenbündig in der Edelstahlgewebeunterspannung eingefügt sind. Die Effektbeleuchtung erzeugen stark gerichtete Einzelstrahler, ie Glasuntersicht, Edelstahlgewebe und das Tragwerk anstrahlen. Dadurch wird der gesamte Dachkörper erhellt und bekommt so bei Dunkelheit eine deutliche und trotzdem nicht störende Präsenz.

Die Möblierung hat eine klare und sachliche Gestaltung und bezieht alle Elemente ein, die benötigt werden.

Das System der Edelstahlstelen nimmt die Fahrplananzeiger auf, sowohl in digitaler Form als auch in der Druckfassung. In gleicher Konstruktion sind DFI Anzeiger, Werbevitrinen und sonstige Informationssysteme darstellbar. Die Mülleimer verfügen über einen robusten Einhandklappbeschlag und sind einfach zu leeren und zu reinigen.

Bänke sind als Hockerbänke und mit steinerner Lehne vorgesehen. Der Sitzbelag aus heimischem Robinienholz ist ohne weitere Behandlung dauerhaft wetterfest, Metallbeschläge sind aus Edelstahl und Steinelemente aus Natur- oder Betonwerkstein.

Die Wetterschutzhäuser außerhalb des Hauptdaches bestehen aus Verbundsicherheitsglas mit eigenständig statischer Funktion. Die Scheiben sind an den Ecken und Stößen verklebt. Bedruckte Folien im Verbundglas vermeiden Vogelflug und vermindern die Sichtbarkeit von normalen Verschmutzungen. Im Verbund auf die Gläser auflaminierte Kunststoffschichten aus Plexiglas oder Makrolon von 2 mm Dicke können die Gefahr von Vandalismusschäden weitgehend verhindern.

Alternativ lassen sich die Wartehäuser aber auch mit einem sehr reduzierten Edelstahltragwerk herstellen.

Auf der Platzfläche wird neben den vorhandenen Bäumen ein Wasserbecken vorgeschlagen. Einerseits wird hierdurch die Wegführung zum Hauptüberweg über die Verkehrsfläche unter das Dach eingeleitet. Anderseits überlagert das Geräusch des bewegten Wassers die Verkehrsgeräusche und sorgt so für eine deutliche Steigerung der Aufenthaltsqualität des Platzes.

Im Rechteck angeordnete Platzleuchten definieren nochmals das Platzzentrum, schon ordnend bei Tag und Nachts durch eine leichte Steigerung der Helligkeit gegenüber der Umgebung.

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