Wettbewerb ZOB Herten

Wettbewerb ZOB Herten

2011
Geladener Wettbewerb
2. Platz

Architekt:
Heiderich Architekten

Mitarbeiter:
Bastian Kramer
Natalie Stricker

Lichtplanung:
LDE Kober, Dortmund

Beratung Tragwerk:
Bollinger & Grohmann
Hendrik Laing
Frankfurt a.M.

Herten ist nicht Düsseldorf. Einerseits ist das wohl bekannt, andererseits aber wichtig für die Gestaltung einer Überdachung für den neuen ZOB in Herten.

Als verhältnismäßig junge Stadt des Ruhrgebietes mit deutlichem Einfluss des Steinkohlebergbaus kann und muss Herten das Bild der Arbeiterstadt nicht verleugnen. Der neue ZOB entsteht an einem Ort mit entscheidendem Einfluss auf das Stadtgefüge. Einerseits die Wohn- und Geschäftshäuser aus den 60er und 70er Jahren mit erkennbarem Renovierungsbedarf, andererseits das wenig schmeichelhafte Gebäude des Herten Forums, geben den angrenzenden Neubauflächen und dem ZOB die Bedeutung eines Initials für stadträumliche Entwicklung dieses Stadttores.

Schriller, lauter, bunter ist hier falsch und für Jahrzehnte nicht wieder zu heilen. Eine Aufwertung der Kaiserstraße zum Eingang in die Innenstadt kann die Wende herbeiführen, dass es sich wieder lohnt hier ein Geschäft zu betreiben, ein Büro zu mieten, ein Gebäude instand zu setzen, zu investieren. Ein Teil dieser Aufwertung ist der neue ZOB mit seiner Überdachung.

Konzept

Eine der einfachsten Figuren für ein Dach ist eine Fläche mit Stützen. Vorteilhaft ist eine Schrägstellung der Fläche, zum Ablauf des Regenwassers. Die Form der Verkehrsinsel des ZOB die es zu überdachen gilt verbietet eine einfache Geometrie für das Dach. Der Versatz in der Mitte der Insel teilt die Fläche. Das Dach des Entwurfes folgt der darunter liegenden Nutzung mit zwei Dachflächen mit leichter Neigung. Der Grundriss richtet sich mit der zur Innenstadt weisenden Kante an der städtebaulichen Ausrichtung der angrenzenden Bebauung aus, die anderen Begrenzungen folgen der Form der ZOB Insel. Zur Gewährleistung des Witterungsschutzes überdeckt das Dach die Fahrbahnkante an allen Haltestellen um mindestens 1,50 m.

Tragkonstruktion

Die Fläche der beiden Dächer bestehen aus einer allseitig verkleideten Stahlkonstruktion. In Stahlbetonfundamente eingespannte Rundrohre mit ca. 250 mm Durchmesser stützen ein Trägersystem aus Doppel-T Walzprofilen mit einer Konstruktionshöhe von 360 mm. Die Fläche bildet ein Trapezblech, das in die unteren Flansche der Träger eingelegt wird. Die Dachabdichtung besteht aus EPDM Kautschuk Bahnen, die vollflächig auf einer Schalung verklebt werden. Die Dachunterseite wird mit Alucobond Plattenmaterial verkleidet. Die Dicke der Dachscheibe beträgt weniger als 40 cm. Die Verwendung dieser mit langer Erfahrung im Industriebau gebräuchlichen Materialien garantiert geringe Unterhaltsaufwendungen und eine gute Alterungsfähigkeit. Entwässerungsleitungen sind in den Stützen geführt, Die Schräge der Dachfläche bildet das zur sicheren Ableitung des Regenwassers notwendige Gefälle.

Licht

Die Verkehrsbeleuchtung des ZOB wird mit in die Dachfläche eingebauten LED Downlights erreicht. Diese ersetzen auch in diesem Bereich sonst notwendige Straßenlaternen. Zur räumlichen Illuminierung des Daches werden zusätzlich LED Deckenfluter auf den Einrichtungsgegenständen unter der Überdachung montiert, die einen dezent schimmernden Schirm erzeugen.

Abhängig von der Außentemperatur wechselt die Lichtfarbe analog von kalt zu warm. Bei besonderen Anlässen kann die Dachfläche außerdem im gesamten Farbspektrum erstrahlen. Die zusätzliche Beleuchtung wird unabhängig vom Einschaltzeitpunkt der Straßenbeleuchtung geschaltet und wirkt so bei einsetzender Dämmerung der Verschattung unter dem Dach entgegen.

Baukosten

Der gesetzte Kostenrahmen erlaubt keine aufwändige Dachkonstruktion. Eine in anderen Städten übliche Stahl-Glaskonstruktion ist unter den gegebenen Bedingungen nicht zu realisieren. Auch die Wartungskosten wären hier deutlich höher. Die formale Reduktion führt hier auch zu einer realistischen Einhaltung des Kostenrahmens von 550.000 EUR.

Ökologie

Die verwendeten Materialien sind ökologisch unbedenklich und vollständig recyclingfähig. Die Dachfläche kann zudem vollständig extensiv begrünt werden oder auf ganzer Fläche mit Dünnschichtphotovoltaikelementen genutzt werden. Letztere können bei guter Leistungsausbeute nahezu flach auf der Dachfläche aufgelegt werden.

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